Montag, 29. Dezember 2008

Aqaba - Amman (42 km / 320 Hm)

Wieder war frühes Aufstehen angesagt, um an den Grenzen zwischen Jordanien + Israel bzw. Israel + Ägypten genügend Zeit zu haben. Meine Reise nach Syrien + in den Libanon und die damit verbundenen Stempel im Pass könnten sich hier vielleicht als Nachteil erweisen... Auf einer breiten Allee ging es Richtung Flughafen von Aqaba bzw. zur Grenze nach Eilat. Wir erfreuten uns am Gegenwind, weil dies (hoffentlich) zu bedeuten hatte, dass wir dann im Sinai von Rückenwind profitieren können! Nach etwa einer halben Stunde erreichten wir einen jordanischen Check-Point mit Soldaten. Ein böses Erwachen: Sie teilten uns mit, dass die Grenze zwischen Jordanien und Israel heute geschlossen sei, ohne eine Begründung geben zu können:-( Ihren Ausspruch “Welcome to Jordan“ (den wir bisher immer sehr gerne entgegengenommen hatten) empfanden wir in diesem Moment als ziemlichen Hohn... Ob die Grenze nun wegen des Krieges in Gaza oder eher wegen dem muslimischen Neujahr zu war, konnten wir nicht in Erfahrung bringen. Jedenfalls blieb uns nichts anderes übrig, als nach Aqaba zurückzufahren... Dass ich mich fürchterlich aufgeregt habe, half leider auch nicht weiter;-)

Es begann die Suche nach Alternativen: Fähre nach Nuweiba, Boot nach Taba, ein Tag länger in Aqaba bleiben, Rückreise nach Amman? Auf der Tourist Info teilten sie uns mit, dass an diesem Tag kein Boot von Aqaba nach Taba fahre und betreffend der Fähre verwiesen sie uns ins nahegelegene Büro der Fährgesellschaft. Im Büro der Arab Bridge Maritime bekamen wir die Information, die nächste Fähre werde etwa um 14.00 Uhr losfahren und etwas mehr als eine Stunde für die Überfahrt nach Nuweiba brauchen. Nach (zu) kurzem Überlegen entschieden wir uns, Tickets für diese “Fast Ferry“ zu kaufen, welche je 70 $ kosteten! US Dollar hatten wir ja genug, da Miriam beim Aufräumen unter Dagobert Ducks (also meinem) Bett Scheine im Wert von 400 $ (welche ich seit meiner Reise nach Tanzania vor etwa 7 Jahren hütete...) gefunden hatte;-)

Bevor wir uns auf den Weg zum Hafen machten, kauften wir uns im McDonald’s ein Sundae und trafen bei dieser Gelegenheit auf einen anderen Velofahrer, der ebenfalls mit der Fähre nach Nuweiba fahren wollte. Er berichtete uns über chaotische Verhältnisse bei der Hinfahrt und bestätigte auf diese Weise leider, was ich im Vorfeld unserer Reise bereits im Internet gelesen hatte... Erste Bedenken traten auf, ob der Entschluss die Fähre zu nehmen richtig war! Diese mehrten sich, als wir den Passenger Terminal ziemlich lange suchen mussten... Nun holten wir Informationen über die genaue Abfahrtszeit, den Check-In, die Grenzformalitäten etc. ein. Leider machte uns die ganze Organisation nicht gerade einen professionellen Eindruck und wir befürchteten, dass wir erst bei Dunkelheit in Nuweiba eintreffen würden und die anschliessende Fahrt mit dem Velo ziemlich riskant würde... In Anbetracht dessen und allfälliger Probleme bei der Rückreise sowie der hohen Kosten entschieden wir uns, eine Annullierung der Tickets zu versuchen! Das “Schicksal“ sollte bestimmen, ob wir in den Sinai fahren oder nicht... Im Hafen verwies man uns dann ans Büro in Aqaba, wo wir die Billette gekauft hatten. Am Telefon wurde uns mitgeteilt, eine Rückgabe der Tickets sei kein Problem und dies bestätigte sich nach unserer Rückfahrt nach Aqaba auch tatsächlich! Unsere Erleichterung war gross:-)

Es folgte eine weitere Lagebesprechung: Sollten wir Aqaba und seine Strände im Süden geniessen und am Abend nach Amman zurückreisen oder gar eine weitere Nacht hier verbringen oder gleich den nächstmöglichen Bus nach Amman besteigen? Wir entschieden uns für letzteres, kauften Tickets für den Trust-Bus um 14.30 Uhr und annullierten gleichzeitig unsere Reservation für den Bus vom 31. Dezember! Bevor der Bus losfuhr, hatten wir noch genügend Zeit, um ein weiteres Glacé zu essen, einen feinen “Lemon Juice with Mint“ zu trinken und Proviant für die lange Reise nach Amman zu kaufen. Die Reise von Aqaba über den Desert Highway nach Amman verlief problemlos und dauerte etwa 4,5 Stunden. Leider kamen wir nicht am von mir erwarteten Ort in Amman an, so kannte ich den Heimweg nicht... Das Problem löste sich aber rasch, indem wir sofort einen Taxifahrer fanden, der unsere Velos im Kofferraum verstaute und uns nach Hause fuhr. Zuhause angekommen, begann es leicht zu regnen und wir waren froh, dass wir nicht mit dem Velo nach Hause fahren mussten. Das Nickerchen, welches wir vor dem Duschen und anschliessendem Ausgang machen wollten, dauerte etwas länger, bis etwa um 24.00 Uhr;-) Darum entschieden wir uns gleich weiterzuschlafen...

Fotos: http://www.facebook.com/album.php?aid=2015542&l=34ada&id=1218247772

Wadi Rum - Aqaba (44 km / 380 Hm)

Noch vor dem Frühstück packten wir unsere Sachen zusammen. Gleich nach dem Morgenessen verluden wir unsere Velos auf den Pickup und fuhren um 07.30 Uhr bereits los. Da Aodeh aufgrund der holprigen Fahrbahn Bedenken um sein Auto hatte, wählte er einen Umweg. Für uns als Velofahrer wäre die direkte Strecke allerdings kein Problem gewesen, wie er meinte;-) Die Fahrt dauerte länger als erwartet, erst etwa nach einer Stunde setzte uns Aodeh mitten in der Wüste aus...

Zuerst mussten wir Luft aus den Pneus lassen und dann ging es los mit unserem Wüstenritt. Aodeh verfolgte unsere ersten Meter mit Spannung, dieses Schauspiel wollte er sich nicht entgehen lassen... Tatsächlich bewegten wir uns am Anfang noch ziemlich unsicher, aber auf dem härteren Sand neben den Fahrspuren kamen wir bald richtig in Fahrt:-) Besonders achtgeben mussten wir, dass wir den vielen Steinen, Sträuchern und wenn möglich auch Dornen ausweichen konnten! Zum Kampf wurde die Sache, sobald der Sand etwas tiefer war, beispielsweise beim Überqueren der Fahrspuren der Autos... Das Velofahren in der Wüste bereitete uns grossen Spass und wir waren fast ein wenig enttäuscht, als nach etwa einer Stunde ziemlich überraschend bereits eine asphaltierte Strasse erreicht war... Die Wüstenpartie hätte ruhig etwas länger dauern dürfen!

Bald gelangten wir auf den Desert Highway, der von vielen Lastwagen befahren wird, welche auf dem Weg ins nahegelegene Saudi Arabien sind. Bei heissen Temperaturen ging es eine kurze, angenehme Steigung hoch, bevor die lässige Abfahrt zum Roten Meer folgte. In rasantem Tempo, mit Spitzengeschwindigkeiten über 75 km/h, ging es bergab, einige Male mussten wir auf die Überholspur wechseln, um an einem Lastwagen vorbeizubrausen! Ich war etwas schneller als Miriam unterwegs, wahrscheinlich aufgrund meines Übergewichtes;-) Bald erblickten wir den Hafen von Aqaba. Entlang des Meeres ging es nun noch gut 10 Kilometer gegen den heftigen Wind bis ins Stadtzentrum. Wir hofften auf ähnliche Windverhältnisse für die Fahrt in den Sinai am morgigen Tag, wenn es mehrheitlich in die andere Richtung, nämlich nach Süden gehen sollte...

Aqaba war für uns überraschend grün, überall wurden Blumen und Bäume gepflanzt. Während der Hotelsuche entdeckten wir eine Gelateria und genehmigten uns bei sommerlichen Temperaturen gleich einen Milkshake:-) Wenig später hatten wir ein Hotelzimmer gefunden und freuten uns, wieder einmal warm duschen zu können. In der Hotellobby haben wir im Fernsehen erstmals vom Krieg in Gaza erfahren. Sollte dies vielleicht Probleme für unsere Reise durch Israel zur Folge haben? Auf unsere Frage hin verneinte dies ein ägyptischer Hotelangestellter. Jetzt sahen wir uns ein wenig in Aqaba um, organisierten den Bus für die Rückreise von Aqaba nach Amman und checkten in einem Internet-Café unsere E-Mails. Am Abend gingen wir in eine Pizzeria und machten danach noch einen Spaziergang entlang der Strandpromenade, die wir nicht gerade als touristentauglich empfanden.




Wüstensafari im Wadi Rum

Ich verspürte heute den Drang, sehr früh aufzustehen, um den Sonnenaufgang sehen zu können. Miriam blieb noch etwas länger liegen... So machte ich alleine einen Spaziergang bis zu einem naheliegenden Hügel und genoss von dort die herrliche Morgenstimmung:-) Zurück im Camp fasste ich von Miriam einen Zusammenschiss, weil ich zu spät zurückgekehrt sei... Zum Frühstück gab es wieder einmal köstliche Pitas, welche auf der glühenden Kohle aufgewärmt besonders gut schmeckten, dazu Konfitüre + Halawa (eine Süssigkeitenspezialität) und natürlich feinen Beduinen-Tee.

Nach dem Morgenessen verabschiedeten wir uns von den Italienern und starteten mit Aodeh zu unserer Jeep-Safari. Die Fahrt führte uns auf Sand und Kies durch bezaubernde Landschaften und vorbei an unzähligen imposanten Felsen. Wir besichtigten eindrückliche Felsmalereien der Nabatäer und mehrere Felsbrücken, auf die wir zum Teil auch klettern konnten. Um richtig hungrig zu werden, unternahmen wir eine kurze Wanderung durch das schöne Tal “Siq Burrah“. Anschliessend assen wir an einem schönen und ruhigen Plätzchen unseren Lunch. Zur Verdauung veranstalteten wir eine “Steinwurf-Olympiade“... Leider hatte ich keine Chance gegen Aodeh:-( Anscheinend scheint Zielwerfen mit Steinen ein Volkssport der Jordanier zu sein! So können wir uns jedenfalls die wiederholten, aber kaum bös gemeinten Würfe mit kleinen Steinen durch Kinder auf uns erklären. Wir Velofahrer scheinen einfach als Zielscheibe herhalten zu müssen;-)

Die Fahrt ging weiter zu einer riesigen Sanddüne. Diese galt es zu erklimmen und von oben die Aussicht zu geniessen, bevor wir in horrendem Tempo den Abhang hinunterrannten... Auch historische Schauplätze sollten nicht zu kurz kommen, so besuchten wir Lawrence’s House bzw. was noch davon übrig blieb und "Ain Shallalah" (Lawrence’s Spring). Die Orte also, wo Lawrence von Arabien hauste und angeblich badete. Ein faszinierender Tag ging bereits seinem Ende zu und wir kehrten zurück zum Beduinen-Camp.

Um den herrlichen Sonnenuntergang zu betrachten, kletterten wir auf einen Felsen gleich oberhalb des Camps. Heute waren wir “leider“ die einzigen Gäste und mussten so auf einen netten Abend mit anderen Touristen verzichten. Nach dem erneut ausgezeichneten Abendessen entwickelte sich mit Aodeh eine interessante Diskussion über Religion + Politik. Bevor er sich zurück ins Dorf begab, vereinbarten wir noch den morgigen Tag, d.h. wie weit er uns fahren bzw. wo unser Start zur Wüstenpartie sein sollte. Nun durften wir also eine Nacht ganz alleine in der Wildnis verbringen. (Zu) früh legten wir uns in die Schlafsäcke, die wir heute im Zelt ausgebreitet hatten. Da ich es mir nicht gewohnt bin, so zeitig schlafen zu gehen, erwachte ich in den frühen Morgenstunden öfters und hatte Mühe wieder einzuschlafen... Immerhin konnte ich so die Gelegenheit nutzen, unter dem phantastischen Sternenhimmel meine Blase nach Beduinenart mitten in der Wüste zu erleichtern:-)
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Wadi Musa (Petra) - Wadi Rum (89 km / 1'130 Hm)

Bei strahlendem Sonnenschein, aber kühlen Temperaturen hiess es einmal mehr, früh aus den Federn kommen, die Velos rüsten + endlich mal die Ketten ölen und dann ab Richtung Wüste. Nach einem steilen Aufstieg gleich zu Beginn konnten wir noch einmal eine wunderbare Aussicht auf Petra geniessen. Leider hatten wir es versäumt, unsere Wasserflaschen aufzufüllen und wollten dies bei der erstbesten Möglichkeit nachholen: Im noblen Hotel Marriott war dies auch kein Problem, allerdings verlangten sie von uns einen Wucherpreis von 3 JD für eine Flasche Wasser... Als wir ein wenig auf arme, velofahrende Studenten machten, sank der Preis rasch auf knapp 1 JD;-) Jetzt konnten wir beruhigt die coupierte Fahrt durch die kargen Berge bei herrlichem Wetter fortsetzen. Etwas später als vom Hotelier vorausgesagt, erreichten wir den Kulminationspunkt der heutigen Etappe. Ab jetzt ging es nur noch hinunter: Eine coole Abfahrt auf dem überraschenderweise nicht allzu stark befahrenen Desert Highway mit traumhafter Aussicht in die weite Hisma-Ebene:-) Auf der Gegenfahrbahn hatten derweil die Lastwagen einen grossen Kampf, um die Steigung zu bezwingen...

In der Ebene versuchten wir, zu einem Mitnahmeservice zu kommen, um so die Fahrt auf dem Highway zu verkürzen und rechtzeitig in Wadi Rum einzutreffen. Nach kurzer Zeit hielt ein Auto an:-) Aber oha, es war die Polizei! Die lustigen Kerle nahmen uns aber tatsächlich bis zur Ausfahrt zu ihrer Dienststelle mit. Nach einigen weiteren Kilometern auf dem Desert Highway kam die Abzweigung Richtung Wadi Rum, dem Tal des Mondes. Auf den nächsten gut 20 Kilometern folgte ein harter Fight gegen den Wind! So waren wir froh, als wir endlich beim Visitor Centre ankamen. Hier holte uns Aodeh, unser Guide für die nächsten knapp 2 Tage, ab und fuhr uns zum Camp mitten in der Wüste von Wadi Rum. Gerade noch rechtzeitig um den Sonnenuntergang zu bestaunen, kamen wir im geschützt unter einem Fels gelegenen Zeltlager an.

Jetzt machten wir Bekanntschaft mit den weiteren Gästen in Aodehs Beduinen-Camp: Drei Italiener, die bereits zwei Tage in der Wüste unterwegs waren und hier noch die Nacht vor ihrer Abreise verbrachten. Kurze Zeit später gab es ein wunderbares Essen am Lagerfeuer, mit Reis, Kartoffeln und Fleischbällchen eine ideale Velofahrer-Verpflegung! Danach genossen wir bei feinem, süssem Beduinen-Tee die Lagerfeuer-Stimmung. Wie es sich für Beduinen gehört, gingen wir früh zu Bett. Unter freiem Himmel kuschelten wir uns in den Schlafsäcken aneinander, um die kalte Nacht in der Wüste gut zu überstehen. Dann guckten wir ins phänomenale Sternenmeer und zählten die Sterne, bis wir zufrieden einschliefen...

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Eines der neuen Sieben Weltwunder: Petra

Da heute ein “Ruhetag“ (das heisst keine Fahrt mit dem Velo) auf dem Programm stand, konnten wir zum ersten Mal ein wenig Ausschlafen. Als wir aufstanden, zeigte sich, dass dies eine gute Idee war: Es herrschte graues Wetter mit leichtem Nieselregen. Nach dem Frühstück und dem Kauf von Proviant für den langen Tag machten wir uns dann trotzdem langsam Richtung Petra auf. Aufgrund des trüben Wetters riet der Hotelier uns von der vorgesehenen Wanderung durch den extrem schmalen Canyon des Wadi Mudhlim (Nischenklamm) ab. Wie wir aus der Schweiz wissen, kann das Wasser in solchen Schluchten schlagartig ansteigen und dieser Gefahr wollten wir uns nicht aussetzen! Wie wir später in unserem Reiseführer lasen, hatte 1963 eine Sintflut im Siq über 20 Tote gefordert...

Wir hatten schon wieder Hunger und machten darum, noch vor wir das Schatzhaus erreicht hatten, an einem windgeschützten Plätzchen im Siq einen gemütlichen Mittagsrast. Danach flanierten wir über die alte Römerstrasse vorbei am Theater und mehreren Tempeln. Mittlerweile war die Sonne hervorgekommen und es war angenehm war. Es folgte der lange, steile Aufstieg zum Ad-Deir Monastery, ein Felsengrab, in dem sich im Mittelalter Mönche niederliessen. Wir traffen eine regelrechte Völkerwanderung an, erstaunlich wie viele Leute sich regelrecht den Weg hinaufquälten oder aber die Arbeit einem Esel überliessen, um dieses zweite Highlight von Petra nicht zu verpassen... Es lohnt sich aber auch wirklich: Dieses hoch über dem Stadtzentrum gelegene Felsengrab ist sehenswert und in der kräftigen Nachmittagssonne erstrahlte es ganz besonders! Die Zeit verging wie im Fluge, es war bereits wieder Zeit für den Rückweg.

Wir entschlossen uns, den Pfad entlang dem Jebel al-Khubtha (Wand der Königsgräber) zu nehmen und auf dem Heimweg doch noch durch den Nischenklamm zu wandern. Leider verirrten wir uns nach kurzer Zeit:-( Wir waren uns eigentlich sicher, den richtigen Weg gewählt zu haben, doch dieser war plötzlich mit einem Haufen Abfall versperrt... Wir fühlten uns zu unsicher und entschieden uns umzukehren! Auf einem weiten Umweg über Stock und Stein, auf dem wir zwischendurch mal ein paar Beduinen nach dem Weg fragen mussten, führte eine etwas abenteuerliche Wanderung auf die Strasse nach Wadi Musa.

Zum Nachtessen gab es heute ein weiteres traditionelles Essen der arabischen Küche: “Maqluba“, ein Reistopf mit Poulet oder Lammfleisch und Gemüse. Es war sehr lecker und diesmal konnte auch Miriam das Festmahl richtig geniessen:-) Zum Dessert gönnten wir uns wieder einmal ein paar “Süsse Haufen“ aus der Bäckerei. Anschliessend schrieben wir einige Postkarten und hörten einem Privatkonzert des Hoteliers und seines Angestellten zu, welches sie für ein paar feuchtfröhlich Weihnachten feiernde Kiwis veranstalteten...


Dana Village - Wadi Musa (Petra)

Trübes Wetter mit Nebel, Nieselregen und Wind begrüsste uns heute Morgen:-( Glücklicherweise hatten wir gestern bereits arrangiert, dass uns ein Taxi bis ins nächste Dorf bringen soll: Auf den happigen Aufstieg (über 300 Höhenmeter auf den ersten etwa 5 Kilometern!) gleich nach dem Frühstück konnten wir gerne verzichten... Während der Fahrt entschieden wir nach einer kurzen Lagebesprechung spontan, uns vom Taxi gleich bis Wadi Musa fahren zu lassen und einigten uns mit dem Fahrer rasch auf einen angemessenen Preis. Zu kalt und vor allem windig erschien uns das aktuelle Wetter, so macht Velofahren einfach keinen Spass! In rasantem Tempo führte der Weg durch die hügelige Landschaft und vorbei an der Kreuzritterburg von Shobak. Unser Entscheid erwies sich als goldrichtig: Der Wind wurde immer stärker und böiger, er windete teilweise fast das Auto von der Fahrbahn und zusätzlich führte stockdichter Nebel dazu, dass die Sicht zeitweise nur noch wenige Meter betrug...

In Wadi Musa eingetroffen, besserte sich das Wetter bald ein wenig und so brachen wir kurz nach dem Einchecken im Hotel zu Fuss in Richtung Petra auf. Petra, das ist eine verlassene Felsenstadt, die in der Antike die Hauptstadt des Nabatäischen Reiches war und heute das Tourismus-Ziel Jordaniens schlechthin ist. Wir entschieden uns, 2-Tagestickets zu kaufen, die nur 5 JD teurer sind als die 21 JD teuren Tagestickets. Nach dem langen Weg durch den Siq öffnete sich am Ende dieser engen Schlucht plötzlich der Blick auf das Khazneh al-Faroun (das Schatzhaus des Pharaos): Wirklich extrem beeindruckend, was da vor etwa 2'000 Jahren aus dem Fels gehauen wurde! Zu unserer grossen Freude kam jetzt auch die Sonne wieder hervor, aber es blies immer noch ein kalter Wind. Nachdem wir uns mit einem Falafel-Sandwich gestärkt hatten, begaben wir uns auf die Wanderung zum Hohen Opferplatz, welche uns der Hotelier empfohlen hatte. Etwas später machten wir einen Zwischenstopp und genossen im Windschatten eines Felsens einen feinen Tee bei zwei Beduininnen! Oben auf dem Jebel Attuf angekommen, eröffnete sich uns eine super Aussicht auf die vielen Ruinen und die umliegenden Berge, die wir gleich für eine ausgiebige Fotosession nutzten... Anschliessend führte der Weg hinunter ins Wadi Farasa, wo wir die farbenprächtigen Felsen bewunderten. Leider war die Sonne schon weg, sonst hätten das Rot, Gelb, Blau und Weiss der Felsen sicher noch mehr geleuchtet!

Danach hiess es schon, den langen Marsch via Siq zurück nach Wadi Musa zu unserem Hotel unter die Füsse zu nehmen. Zum Abendessen gab es das jordanische Nationalgericht: Mansaf! Das ist ein Reisgericht mit Lammfleisch und viel fettiger Joghurtsauce. Ein Weihnachtsessen der etwas anderen Art... Leider war das Fleisch nicht so ganz nach Miriams Geschmack, dafür hat’s mir umso besser gemundet;-) Bevor wir schlafen gingen, machten wir noch einen kurzen Spaziergang durch Wadi Musa und kauften ein paar Süssigkeiten beim Bäcker.
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Karak - Tafila - Dana Village (76 km / 1'430 Hm)

Am Morgen gab es ein feines Frühstück mit leckeren Pitas (arabische Fladenbrote) und wir durften sogar ein paar als Proviant für unsere Fahrt nach Dana mitnehmen. Während des Morgenessens führten wir die nette Unterhaltung von gestern Abend mit den Mexikanern weiter. Daraus resultierte eine relativ späte Abreise aus Karak und auf eine Burgbesichtigung verzichteten wir... Es herrschte in dieser gebirgigen Landschaft kühles, windiges Wetter trotz Sonnenschein! Nach unserer Frage nach dem Weg Richtung Tafila erhielten wir aus der Stadt raus bis zum Kings Highway einen Eskortservice, wie dies noch häufiger in Jordaniens Städten der Fall ist:-)

Bald einmal wurden wir wieder spontan zu einem Tee eingeladen, wie dies in arabischen Ländern sehr oft geschieht! Leider ist es fast nicht möglich, auf jede Einladung einzugehen... Aber diesmal nahmen wir das Angebot glücklicherweise an: Es entwickelte sich ein lustiges Gespräch mit zwei Muslims und einem der nicht so zahlreichen Christen. Er heisst Eias, ist inzwischen sogar unser Freund auf Facebook und vielleicht ergibt sich für mich die Möglichkeit, ihn anlässlich eines Fussballmatchs in Amman wiederzusehen!

Anschliessend folgte eine Fahrt durch eine traumhafte Landschaft mit einer super Aussicht ins Wadi Hasa und die dahinterliegenden kargen Berge. In einer langen, coolen Abfahrt (ca. 800 Höhenmeter) erreichten wir den Talboden. Auf der anderen Seite ging es aber wieder ebenso lang und steil bergauf... Aus Zeitgründen, aber auch um Kräfte zu sparen, hatten wir darum entschieden, hier nach eine Mitnahmemöglichkeit Ausschau zu halten! So machten wir also Autostopp und hofften, dass ein gutmütiger Fahrer mit einem genügend grossen Auto uns mitnehmen würde! Die Gelegenheit nutzten wir auch gleich, um unseren Mittagshalt zu machen. Wir mussten feststellen, dass hier “leider“ ziemlich wenig Verkehr herrschte und hatten schon Bedenken, dass unser Vorhaben scheitern könnte. Doch nach relativ kurzer Zeit hielt ein älteres jordanisches Ehepaar mit einem Pickup an und wir durften unsere Velos aufladen. Während Miriam auf dem Rücksitz Platz nehmen konnte, hatte ich die Aufgabe gefasst, die Velos auf der Ladefläche festzuhalten und kam so in den Genuss einer luftigen, ziemlich kühlen Fahrt. Nach etwa 20 Kilometern und ungefähr 700 Höhenmetern war die Reise kurz vor Tafila zu Ende, weil dort eine Polizeikontrolle drohte und eine solche Mitnahme offenbar nicht erlaubt wäre. Zum Glück sind die Jordanier so hilfsbereit, denn das wäre eine ziemlich happige Steigung gewesen und hätte ein Erreichen unseres heutigen Etappenziels in Dana höchstwahrscheinlich verunmöglicht...

Die Weiterfahrt war aber auch so ein harter Fight. Orkanartiger, böiger Wind (natürlich immer aus der falschen Richtung) erschwerte das Vorwärtskommen enorm, führte zu einem grossen Zeitverlust und drückte vor allem auf die Moral:-( Ausserdem gab es unerwartet viele Höhenmeter zu bezwingen und aufziehende Wolken führten dazu, dass es eisig kalt wurde und schon sehr früh einzudunkeln begann. Das Tagesziel wollte einfach nicht näher kommen, doch kurz nach Sonnenuntergang erreichten wir dann endlich Dana Village und die Erleichterung war gross, diese zermürbende Etappe irgendwie geschafft zu haben!

In Dana mussten wir uns bei einem wärmenden Tee zuerst etwas gedulden, bis wir wussten, ob es wirklich mit einem Hotelzimmer klappt und dann noch bis wir es endlich beziehen konnten. Ich Schlaumeier hatte nämlich eine Buchung für ein Doppelzimmer per Internet vorgenommen, obwohl mir zuvor am Telefon mitgeteilt wurde, dass das Hotel ausgebucht sei! Selber schuld, wenn die Homepage nicht aktualisiert wird;-) Schliesslich fand der Hotelmanager dann auch wirklich ein Zimmer für uns und wir durften die wohlverdiente Dusche geniessen. Anschliessend hatten wir das Vergnügen, von einem hervorragendem jordanischem Buffet zu schlemmen. Zum Abschluss des Tages gab es dann noch traditionelle, musikalische Unterhaltung. Die Stimmung war aber eher mässig und wir überliessen das Tanzfeld der grossen holländischen Gruppe, die fast das ganze Hotel belegte.